Der Hypnotist
Der Hypnotist

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Der Hypnotist

             

 

 

Lauf um dein Leben!

 

Der ehemalige Hypnotherapeut Otto Renansen hat nach seiner Scheidung sein Leben neu geordnet und eine Firma für hypnoti-sches Erfolgs- und Selbstmanagement gründet. 

Verwirrende Aufträge konfrontierten ihn mit den Sehnsüchten seiner Kunden nach Liebe, Tod und Rache. 

Furchtbare Fratzen und drohende Stimmen haben Annelisa Hart-mann in den Wahnsinn getrieben. Dreimal war sie schon in der Psychiatrischen Klinik. Beim vierten Mal ist sie extrem abgema-gert, weil sie alles erbricht. Nur Milch trinkt sie in großen Mengen. Die Schwiegermutter will sie loswerden, ihr Mann ist verzweifelt. Und niemand will mit ihr psychotherapeutisch arbeiten. Da nehmen Otto Renansen und seine Frau sie als Kundin für das hypnotische Selbstmanagement an. 

Zum Erstaunen seiner Frau lässt der Hypnotist sie Eier kochen. Und das Unbewusste will, daß sie schwarze Pferde striegelt. Wird sie sich mit Hypnose und ihrem Unbewussten retten können?  

 

**************

 

Der Auftrag

 

„Das spricht dafür, daß in diesem Dorf und in dieser Baracke etwas Wichtiges geschehen ist, Annelisa.

Lassen sie uns darum zuerst ihr Unbewusstes in der Hypnose über die ideomotorischen Hände fragen. Bitte, gehen sie in Hypnose und nehmen sie die Hände in Vorhalte vor die Brust!“

Annelisa, setzt sich zurecht und schließt die Augen. 

Bald begibt die rechte Hand langsam nach unten zu sinken und die Hypnose baut sich auf. Als die Hand den Oberschenkel erreicht, fordert der Hypnotist sie auf, die Hand wieder in Vorhalte vor die Brust zu nehmen.

„Annelisa, fragen sie jetzt bitte ihr Unbewusstes, ob auf dem tiefsten Grund ein Trauma, eine seelische oder emotionale Ver-letzung der wahre Grund für ihr Psychosen war oder ein Konflikt mit sich selbst oder mit anderen Menschen!

Wenn es ein Trauma war, kann wieder die rechte Hand nach unten gehen, wenn es ein Konflikt war, die linke Hand!“

Es dauert keine zwei Minuten, da ist die rechte Hand in Richtung Oberschenkel in Bewegung.

„Es war also ein Trauma, eine seelische oder emotionale Verlet-zung, Annelisa!“ bestätigt der Hypnotist und Susanne Herr rückt gespannt auf die Vorderkannte ihres Sessels vor.

„Nehmen sie die Hand bitte wieder nach oben und fragen sie ihr Unbewusstes, ob es heute schon richtig ist, mehr über dieses Trauma zu erfahren? Und ob das gefahrlos geschehen kann?!“

Wieder erfolgt eine Bestätigung.

Otto Renansen richtet zunächst wieder die hypnotische Schutz-hand ein.

„Annelisa, darf ich sie noch einmal an meinen Traum erinnern? In meinem Traum kam die Botschaft, daß sie mittels eine inneren Kraft ihr Problem lösen sollen. 

Wir wissen jetzt, was das Problem ist. Nämlich eine seelische oder emotionale Verletzung, ein psychisches Trauma.

Bitte fragen sie ihr Unbewusstes oder den Falken, ob es eine solche Kraft in ihnen gibt und wo und wie sie diese Kraft in sich finden können!“

Es dauert eine Weile, dann meldet sich die Frau vor ihnen.

„Mein Falke hat gesagt, das sei der Wolf. Der Wolf werde mir helfen. Er solle immer dabei sein.“

„Gut! Dann werden wir dafür sorgen.“

„Fragen sie bitte auch den Falken, wer den Heilungsprozess des Traumas leiten soll!“

Nach kurzer Zeit: „Der Falke hat gesagt: ‚Der Hypnotist!’ Ich soll machen, was sie vorschlagen.“

„Dann wollen wir als erstes auf die Suche nach einem Ort gehen, wo sie ganz sicher sein können. Haben sie so etwas?“

„Nein, so etwas habe ich nicht.“

„Dann schlage ich ihnen einen solchen Ort vor. 

Stellen sie sich bitte ein schönes Blockhaus an einem wunder-schönen, kleinen See in Kanada vor. Weit weg von hier. 

Und stellen sie sich weiterhin vor, sie säßen auf der Terrasse dieses Blockhauses und tränken entweder Tee oder Kaffee. Und wichtig: Es gibt keine Mücken dort!

Alles ist so, wie sie es lieben und es ihnen am besten gefällt. Geht das? Bekommen sie das hin?“

„Ja! Mir geht es gut hier. Richtig gut! Ich sehe sogar die Fische im See springen und einen Seeadler, der gerade einen Fisch fängt.

Wunderschön ist es hier! Das Wasser glitzert so herrlich in der Sonne.“

„Fein! Und jetzt bitten sie ihr Unbewusstes, daß es einen psychi-schen Teil ihrer selbst aus sich herausschweben lässt! Ein alter ego. 

Und sagen sie uns bitte, wie dieser Teil aussieht!“

„Das ist ein Kind! Das bin ich selbst. So wie ich war, als ich sieben Jahre alt war. Es hat sogar die Sachen an, die ich damals anhatte!“

„Sehr gut! Und jetzt rufen sie bitte den Wolf herbei!“

„Er ist da.“

„Bitten sie den Wolf, auf das Mädchen aufzupassen und es zu schützen!“

„Das habe ich gemacht. Der Wolf will für mich sorgen und mich schützen!“

„Annelisa, das Kind sind nicht sie! Das Kind ist ihr Seelenkind. Das Kind, das sie einmal waren und daß in ihnen weiter existiert hat und nicht gewachsen und gereift ist, weil es traumatisiert und seelisch und emotional verletzt ist. Die Psyche friert im Trauma-bereich sozusagen die Zeit und die Situation in der Erinnerung  ein. Sie sind die Frau auch der Terrasse am See. Nicht das Kind!

Das ist wichtig! Das ist entscheidend! Denn sie sollen jetzt das Kind, die kleine Annelisa bitten, für sie das Problem ihrer Kindheit zu lösen, damit sich das Trauma auflösen kann. 

Dabei ist diese hypnotische Dissoziation, diese psychische und geistige Trennung in die erwachsene Annelisa und die kleine, verletzte Annelisa entscheidend wichtig!

Das macht nicht nur die Heilung in der Hypnose möglich, sondern schützt sie auch vor einer erneuten seelischen Verletzung, wenn die Kleine für sie in die damalige, schlimme Vergangenheit geht, um sie psychisch für sie heilend umzugestalten. 

Das verhindert, zusammen mit dem Wolf, der für ihre seelische Kraft steht, sowie der Schutzhandtechnik, daß sie noch einmal verletzt werden. Retraumatisiert werden, wie das in der Fachspra-che heißt.

Haben sie das verstanden? Wirklich verstanden? Es ist jetzt sehr wichtig, daß sie das wirklich verstehen! Denn das Kind und der Wolf werden das Problem für sie lösen. Gleich, was es sein wird. Sie sind Gestalten ihres Unbewussten. Damit zwar psychische Teile von ihnen, aber das sind nicht sie!

Sie werden bei der ganzen psychischen Operation als reine Zuschauerin auf ihrer Terrasse an ihrem See sitzen bleiben. 

Sie schauen nur zu und lernen bewusst und vor allem unbewusst auf ihrer tiefsten seelischen und psychischen Ebene, wie sie ihre seelischen und emotionalen Verletzungen heilen können.

Haben sie das verstanden? Wirklich verstanden? Wenn nicht, fragen sie bitte jetzt! Oder auch später.“

„Ich glaube, ich habe das verstanden!“

„Gut! Und außerdem steht ihnen auch noch der Falke zur Seite. Immer wenn sie ihn brauchen, können sie ihn rufen. Denn er wird über ihnen und dem Geschehen schweben. Wenn sie seinen Rat brauchen, wird er da sein!“

Der Hypnotist lässt seine Worte wirken und die Hypnose sich weiter stabilisieren. Dann schaut er zu seiner Frau, nickt ihr zu und gibt Annelisa den Auftrag, die kleine Annelisa zu bitten, mit dem Wolf zusammen in das Dorf ihrer Kindheit zu gehen und den Wolf zu ihrer Unterstützung mitzunehmen. Das Symbol ihrer inneren Kraft, die helfen soll, die alten Probleme zu lösen.

Sofort können sie von außen sehen, wie die Hypnose der Frau vor ihnen sich schlagartig vertieft und sie körperlich starr wird. Weil sich die hypnotische Katalepsie, die körperlichen Bewegungs-losigkeit der tiefen Hypnose entwickelt.

Während gleichzeitig und durch die Katalepsie gefördert, die inneren psychischen Prozesse anlaufen.

 

 

In der Baracke

 

Sie hat Angst! Ihr ist ganz kalt, obwohl die Sonne scheint. Dankbar spürt sie die Körperwärme des Wolfes, der sich an ihr rechtes Bein drängt. Wie um sie zu trösten und zu sagen: „Ich bin bei dir, hab’ keine Angst! Wir schaffen das schon!“

Aber die Angst lähmt sie. Unbeweglich steht sie vor der dunkelgrünen Tür. Die Tür, durch die sie tausende Male gegangen ist. Hinein und heraus.

Alleine oder mit Papa und Mama. 

Ob Papa und Mama da drin sind? Da hinter den Wänden, von denen schon die Farbe abblättert, weil sie schon so lange darin wohnen?

Sie sind arm und können sich keine andere Wohnung leisten. Das Sozialamt hat sie hier eingewiesen. Denn Papa hat keine Arbeit und Mama hat Rheuma. Mit ihren steifen Fingern kann sie nicht arbeiten. Außerdem hat sie ständig Schmerzen und muss Tabletten nehmen. Und die gehen ihr auch noch an den Magen, so daß sie häufig erbrechen muss. Sie ist schon ganz mager geworden. 

Der Doktor hat ihr zusätzlich andere Tabletten gegeben. So große weiße, die muss sie immer eine Stunde nach dem Essen kauen. Die sollen die Magensäure bekämpfen. Und viel Milch soll sie wegen der Säure im Magen trinken, hat er gesagt. Und Käse essen. Aber sie sind arm und können nicht so viel Käse kaufen.

Und zum Monatsende müssen sie sowieso anschreiben lassen, weil kein Geld mehr da ist. Weil der Papa das immer vertrinkt.

Wenn er trinkt, dann schreit er und dann hat sie Angst. Und er schlägt dann oft auch die Mama. Sie hat dann Angst um Mama.

Wenn Papa nicht trinkt, ist er still und meistens schläft er dann.

Wenn es so still im Haus ist, liegt er wahrscheinlich im Bett. Und Mama liest dann. Oder macht Hausarbeiten.

Vielleicht ist sie auch nicht da, denn sie geht viel in die Kirche. „Da hab’ ich meine Ruhe!“ sagt sie immer. „Und da bin ich Gott nahe.“

Mama hat auch schon zweimal versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie weiß das, weil Mama im Krankenhaus war und die die Leute im Dorf darüber geredet haben. Sie habe Tabletten genom-men. Was für welche, weiß sie nicht. 

Sie hat Angst, die Mama zu verlieren.

Wenn Mama tot ist, dann ist sie mit dem Papa alleine. Davor fürchtet sie sich. Dann passt niemand mehr auf sie auf. Und wer dann kocht und wäscht, weiß sie auch nicht.

Aber was soll sie jetzt machen? Soll sie die Tür öffnen?

Sie sieht auf den Wolf. Der steht rechts neben ihr und sieht zu ihr empor. Dann kratzt er mit seiner rechten Pfote an der Tür. Sie soll aufmachen!

Sie drückt die Klinke. Die Tür quietscht leise in den Angeln, als sie aufschwingt.

Sie steht im Flur. Sie kennt den Geruch. Den Geruch nach Armut, Essen, Wäsche, Schnaps und Bier.

Es ist völlig still. Sie spürt ihr Herz rasen und in den Ohren klopfen.

Sie geht vorsichtig und langsam durch den Flur in die Küche. Sie haben nur die Küche und zwei Schlafzimmer, die Vorratskammer und die Waschküche. Da ist auch das Klo.

Die Küche ist leer. Niemand ist da. 

Was soll sie machen? Warten? Sich an den Küchentisch setzen? Dahin, wo sie immer sitzt?

Sie ist unschlüssig. 

Sie ruft den Falken. Er kommt durch den Flur geschossen und landet auf dem Tisch.

„Was soll ich machen, Falke?“ frägt sie.

„Wieder gehen und wiederkommen. Das nächste Mal!“

Sie steht auf und sagt: „Wolf komm’!“

Der Falke bleibt auf dem Tisch sitzen.

 

Sie geht durch den Flur und durch die Tür. Sie schließt die Tür hinter sich, als auch der Wolf das Haus verlassen hat.

Sie steht im Sonnenschein. Sie spürt, wie die Angst nachlässt. Sie läuft mit dem Wolf durch den Ort in Richtung Kirche. Sie will schauen, ob sie die Mama in der Kirche findet.

Die Kirche ist leer.

„Was hat der Falke gesagt?“ überlegt sie. „Er hat gesagt: ‚Gehen und wiederkommen!’ und ist sitzen geblieben. Mitten auf dem Tisch.“

Ihr wird klar, daß sie noch einmal in die Baracke gehen soll.

Sie geht zurück. Der Wolf folgt ihr.

Sie steht wieder vor der Tür. 

Diesmal zögert sie nicht und geht sofort hinein.

Der Falke sitzt immer noch auf dem Tisch und putzt sein Gefieder.

Als sie eintreten, schaut er sie an.

Sie setzt sich auf ihren Platz und schaut ihn erwartungsvoll an. Ihre Angst ist fast weg. Der Wolf legt sich zu ihren Füssen auf den Boden, hat aber den Kopf wachsam gehoben und schaut sie an.

Dann weiß sie nichts mehr.

 

 

Lauf um dein Leben!

 

Das Schreien von Mama und Papa im Schlafzimmer hat nach-gelassen. Sie hört Papa fluchen.

Sie weiß, er ist wieder hingefallen. Weil er zu viel getrunken hat. Sie hat das Klatschen der Schläge gehört, mit denen Papa Mama verprügelt hat.

Sie weiß, Mama ist weggelaufen. Hat sich in Sicherheit gebracht. Sie läuft immer in die Kirche, um zu beten.

Papa läuft ihr nie nach.

Sie muss ganz still sein, sonst schlägt Papa sie auch. Sie hat Angst. Angst um Mama. Daß sie sich wieder etwas antut. Aber auch Angst, daß Papa sie selbst schlägt. 

Sie hatte schon oft Nasenbluten, wenn er sie geschlagen hat. Einmal hat er ihr ein ganzes Büschel Haare ausgerissen. Sie darf dann ein Paar Tage nicht in die Schule gehen, damit man ihre blauen und grünen Flecken nicht sieht. Mama schreibt ihr dann eine Entschuldigung für den Lehrer.

Die Tür fliegt auf. Papa stolpert herein. Er hat ein ganz rotes Gesicht vor Wut. Die Augen sind rot unterlaufen. Er hat Schaum in den Mundwinkeln.

„Die alte Sau! Ich mach’ sie fertig!“ schreit er. „Wo ist die alte Hexe?! Ich bring’ sie um! Ich stech’ sie ab, die Hure! Die verdammte!“

Schwankend steht er im Raum und stiert umher. Dann sieht er sie.

„Dich stech’ ich auch ab. Du Miststück! Dich und die Alte! Alle beide stech’ ich ab! Ihr Sauweiber!“

Er torkelt zu Anrichte und reißt die Schublade auf, die auf den Boden fliegt. Dann findet er das große Schlachtermesser, mit dem er die Ziegen und Schweine schlachtet.

„Hach!“ schreit er und ergreift es. „Jetzt bist du daran. Du Miststück von der Hure! Ich mach’ dich kalt!“

Grauenvolle Angst!

Sie ist wie gelähmt.

Gleich hat er sie erreicht!

Sie rennt los. Auf die andere Seite des Tisches. 

Er kommt hinterher.

Um Gotteswillen, er darf sie nicht erreichen!

Sie läuft um ihr Leben.

Er mit dem Messer hinter ihr her.

Sie hat einen kleinen Vorsprung, weil er torkelt.

Wenn er sie erreicht, ist sie tot!

Totale Panik!

Wenn sie stolpert, kriegt er sie! 

Er wird immer schneller. O Gott!

Es gibt nur eine Rettung! 

Sie springt kopfüber durch das Fenster. Durch die Scheiben und durch die Rahmen.

Draußen fällt sie in die Brennnesseln. Sie spürt es nicht.

Sie springt hoch und rennt weiter. So schnell wie sie kann.

Er schmeißt das Messer hinter ihr her. Es trifft sie nicht.

Er brüllt wie am Spieß.

Sie rennt und rennt. Bis sie am Schäfer seiner Scheune ist.

Das Tor zur Scheune ist offen. Die Schafe sind auf der Weide.

Rasch die Leiter hinauf auf den Heuboden!

An dem Hauptbalken reißt sie das Heu weg und taucht in den Gang ab, den sie sich im Heu gegraben hat.

Schnell stopft sie den Eingang hinter sich mit Heu zu. Dann kriecht sie in dem Hohlraum unter dem Querbalken weiter, bis sie in ihre Höhle gelangt.

Die Höhle hat sie sich an der Außenmauer ins Heu gegraben. Dort wo ein Ziegel in der Mauer fehlt, damit die Tauben hineinschlüpfen können, wenn das Heu niedrig ist. Da hat sie Licht und kann hinausschauen. Niemand sieht sie da. Niemand findet sie jetzt.

Das ist ihr Geheimnis. Niemand weiß von dieser Höhle.

Sie zittert am ganzen Körper.

Aber die Angst lässt nach.

Sie hat eine Flasche Wasser zum Trinken und Zwieback. Und Trockenpflaumen. 

Aber sie kann nichts essen.

Irgendwann muss sie eingeschlafen sein.

 

Als sie aufwacht, traut sie sich nicht nach Hause. Sie hat Angst vor ihrem Vater. Aber Mama wird sich Sorgen machen, wenn sie nicht nach Hause kommt. 

Sie beschließt, in die Kirche zu gehen und dort zu warten. Irgendwann wird die Mama in die Kirche kommen.

 

Mama hat nichts gesagt, als sie sie in der Kirche gefunden hat. Papa hat Mama arg verprügelt, weil sie das Fenster kaputt gemacht hat.

Mama hat gesagt: „Wenn er wieder säuft, hau ab!“

Und: „Ich halte das nicht mehr aus! Ich gehe zu Gott!“

Da hat sie Angst gekriegt und geweint. Und die Mama angefleht: „Mama! Das darfst du nicht machen! Bitte, bleib’ bei mir! Ich hab’ solche Angst vor Papa!“

Da hat Mama auch geweint, aber nichts gesagt.

 

„Ich glaube, der Alte hat sich den Verstand versoffen!“ hört sie die Mama mit der Nachbarin reden.

„Wenn’s zu schlimm ist, Frau Hartmann, kommen sie zu uns! Mein Mann und mein Sohn werden schon mit ihm fertig!“

„Aber ich muss doch zurück!“ hat die Mama gesagt. „Ich kann doch die Kleine nicht bei ihm lassen!“

„Ja, aber wie soll das denn weitergehen?“

„Ich weiß es auch nicht! Gott wird es schon wissen, Frau Pahlmann!“

 

Heute streiten sie sich schon wieder. Sie hört die kreischende Stimme der Mama. Und das Brüllen von Papa. Aber sie schlagen sich nicht. Sie hört kein Klatschen von Schlägen.

Mama rennt ins Zimmer und gleich wieder aus der Tür hinaus und aus dem Haus. 

„Sicher läuft sie wieder in die Kirche“, denkt sie.

Papa torkelt ins Zimmer. Er sieht sie merkwürdig an. Sie bekommt Angst und steht auf.

Aber er greift nicht nach den Messern. Er schwankt so stark, daß er sich am Tisch festhalten muss. 

Im letzten Moment sieht sie, wie er langsam und heimlich das Brotmesser auf dem Tisch greift und läuft. 

Er hinter ihr her. 

Diesmal brüllt er nicht. Er schnauft nur fürchterlich.

Sie gerät in Panik, als er die Richtung wechselt und sie beinahe überrumpelt hätte.

Sie läuft um ihr Leben, immer rechts um den Tisch herum. Der Vater folgt keuchend und verbissen, soweit es ihm noch möglich ist.

Wieder springt sie. Wieder durch das Glas und die Rahmen. Und wieder schneidet sie sich nicht, sondern fällt in die Brennnesseln.

Diesmal rennt er zurück in die Küche und durch den Flur zur Tür. Als er um die Hausecke kommt, stürzt er und sie entkommt in ihre Höhle.

 

Liebe Leserin, lieber Leser, 

 

der Roman  "Spiegelsex" ist zu seinem guten Ende gekommen.  

 

Ab dieser Woche können Sie ab jedem Wochenende in der Reihe der Romane über die Abenteuer des "Hypnotisten", kostenlos in wöchentlichen Fortsetzungen den Roman "Lauf um dein Leben! " lesen.

 

Vielen Dank für Ihr Interesse!

 

Ihr Götz Renartz

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